Rotes Kliff bei Kampen/Sylt - Fritz Zalisz

Rotes Kliff bei Kampen/Sylt

Aquarell, 40 x 61 cm
(mit Rahmen: 60 x 80 cm)
Signiert (Monogramm) „F. Z.“
Entstanden 1922/23 (Angaben des Künstlers)


verkauft / sold

 

 

 

Fritz Zalisz

Ein vergessener Künstler: Fritz Zalisz (Gera 1893 - 1970 Leipzig)
Maler, Graphiker, Bildhauer und Schriftsteller

Biographie:
Studium (Graphik - Radierung, Holzschnitt) unter O.R. Bossert, A. Kolb und A. Lehnert an der Leipziger Kunstakademie, Schüler von Gabriel v. Max sowie Adolf v. Hildebrandt (in München). Fritz Zalisz profilierte sich vor allem als Graphiker: Hervorzuheben sind insbesondere seine zyklischen Werke "Faust" (24 Lithographien), "Iphigenie" (12 Lithographien), "Christus" (12 Lithographien). Weiterhin fertigte er Bauplastiken für Leipzig und Altenhain (zum größten Teil im 2. Weltkrieg zerstört). 1927/28 bekam er von der Universität in Madrid eine Professur angeboten, die er jedoch ablehnte. Anfang der 1920er Jahre hatte Zalisz sich regelmäßig an Nord- und Ostsee aufgehalten; unter anderem entstanden in dieser Zeit auf Sylt (1922/23) zahlreiche Aquarelle, Tusch- und Kreidezeichnungen, Skizzen und Graphiken. Drei Arbeiten des Künstlers wurden anläßlich der Kokoschka-Ausstellung in Dresden gezeigt. Mittlerweile ist in Leipzig auch eine Straße nach Fritz Zalisz benannt worden.

Museen:
Leipzig, Dresden, Madrid

Literatur:
Vollmer, Thieme-Becker, Dressler

Kampener Leuchtturm Sylt Fritz Zalisz

Kampener Leuchtturm

Aquarell, 38 x 61 cm
(mit Rahmen: 56 x 81 cm)
Signiert  (Monogramm) “F.Z.”
Entstanden 1922/23 (Angaben des Künstlers)

Ausstellung: Kunsthütte Chemnitz (Februar 1923)

Die "Chemnitzer Volkszeitung" berichtet in ihrer Ausgabe vom 23. Februar 1923: "Kunst ist: Erlebnis zu gestalten, Kunst ist Ausdruck eines seelischen Elements. Daß Hand und Material dem innerlich Erschauten folgen, so, daß das fertige Werk in stummer Sprache redend (nicht erzählend) wird, daß es wie mit hundert Stimmen auf uns eindringt, wenn wir auch im ersten Augenblick nichts damit anzufangen wissen; wenn wir nur fühlen: das ist nicht stumm; wie wenn sich ein Mensch vor uns hinstelle, der innerlich voll ist, wovon es ihm zu sagen drängt - wenn er auch noch nicht spricht, fühlen wir das Erlebnis einer Begegnung. So muß ein Kunstwerk vor uns stehen. Ähnliches empfinden wir im Anschauen der Radierungen von Felix Meseck, Berlin; auch Erna Frank weiß von sich und Dingen auszusagen. Eine starke Begabung ist Fritz Zalisz, Leipzig, mit seinen Pinselzeichnungen und Lithographien. Rasse und Kühnheit, Sicherheit verrät seine künstlerische Handschrift, Einfachheit ist sein Wesen, wie er sich in seinen Landschaften zeigt, darin ist Einsamkeit, Feierlichkeit und Sonne. Die Porträts sind voll Temperament. Auch sein Zyklus "Iphigenie", ein wenig monoton zwar, ist stillgeboren und nicht ohne Eindringlichkeit."

Einen Tag später berichtet das "Chemnitzer Tageblatt" von derselben Ausstellung: "Dem Leipziger Künstler Fritz Zalisz hat die Kunsthütte von ihrer Februarausstellung jetzt 2 Räume gewidmet. Darin zeigt man große temperamentvolle Pinselzeichnungen und Lithographien zusammen mit 2 Steinplastiken. Mit seiner Reihe von Bildnissen erweist sich der Künstler nicht gerade als starker "Seelenkünder", doch sind die Personen, die seiner markanten und wuchtigen Linie den nötigen Anhalt geben können (wie er selbst besonders als Melancholiker, der sitzende Herr und Prof. Teichmüller) gut charakterisiert, die Frauen aber zu flach, wenn nicht die Geste hilft. Religiöse Themata (Josephslegende, Samariter) in bunter Zeichnung lassen kalt wie eine nur reflektierte Ausdruckskunst; das ist rein äußerlicher Expressionismus.
Nur der verlorene Sohn (in Lithographie) greift tiefer. Aber noch weniger befriedigt die Iphigenie, eine Mappe von 12 Lithographien, von denen 7 ausgelegt sind. Der ganze Ausdruck ist hier in die Gewandung gelegt und tastet auch da noch unsicher. Es ist überhaupt ein großes Wagnis, diesem edelsten Humanismus, wie er nun einmal durch Goethe unter uns lebendig ist, anders als in stilisierter und klassischer Form näher zu treten. So wenigstens kann man kaum die Welt der Griechen mit ihrer Seele finden. Nur die 2 Blätter mit landschaftlicher Andeutung und Feuerbachscher Medea-Iphigenie treten aus der Leere heraus. Dagegen hat der Künstler in den 2 großen Ostseelandschaften seinen Gegenstand wirklich bei den Hörnern gepackt. Diese Natur ist wundervolle Wesenheit, mit wenigem erschöpfend zustande gebracht und groß gesehen.
Auch als Plastiker (in Muschelkalk) gestaltet Zalisz mit sicherem Gefühl für das, was er seinem Material zutrauen darf. Denn die "Tänzerin" ist zwar ein schwerer Wirbel, aber sie wirbelt doch. Hoetger und Barlach glaubt man hinter beiden, dem Buddha und der Tänzerin, in der Nähe zu fühlen."

Dr. E.K. Fischer äußert sich ebenfalls zu der Ausstellung: "Diese Portätzeichnungen verraten einen Physiognomiker von ungewöhnlicher Sicherheit der Beobachtung. Wie verschieden sind die beiden Selbstbildnisse: im einen (Melancholiker) herrscht Chaos, alles hängt verworren nieder, schleppt und lastet, jede einzelne Kurve sagt: müde, jeder matt hingewischte Strich flüstert: Verzicht; im anderen Selbstbildnis (Optimist) Aufbau, frohgemute Kraft in jeder Geste, mehr als Geste gibt dies Bildnis, bei aller Qualität, doch nicht, aber wieviele Menschen kommen heute noch über eine (von ihnen selbst geglaubte) Geste hinaus? Daneben ein Herrenbildnis, ganz anders im Rhythmus, sinnlich-üppig in der Fülle kraftloser Strichelchen, weichlich in der Gestaltung der Epidermis. Man vergleiche nur einmal die schon in der Haltung energische Hand des Optimisten mit dem müden Reiz-Aufnahmeorgan dieses Bonvivants. Ähnlich Gegensätzliches läßt sich an den zwei Frauenbildnissen zeigen, deren eines so kühn und doch an der psychologisch richtigen Stelle abgeschnitten ist: Zalisz hat viel mehr Gang- und Tonarten als selbst Kokoschka, an den seine nervöseren Sachen oberflächlich erinnern, sein Opus ist in einem Grade polyphon, der fast allzuweit gehende Entpersönlichung fürchten läßt. Aber schließlich ist das der Weg aller sich rationalisierenden Künstler: Vom Bekenntnis zum Gekonnten.
Die Landschaften von Zalisz sind von ganz erstaunlicher Sparsamkeit der Mittel. Ein leiser Druck des Tuschpinsels - und Atmosphäre fließt über das Bildganze, ein kleiner Zuck im Handgelenk, und Leben steigt aus der Öde von Sand und Strand empor. Nirgends sind Erlebnisse rematerialisiert, Zalisz wählt nur ein paar ausdrucksvolle Zeichen für das, was er zu sagen hat, wiederum: zwei, drei Gesten, die das Tatsächliche in Essenz enthalten.
Der Graphiker Zalisz kann viel. In Falten, Flächen und geheimnisvollen Gründen braust ein Leben, gewittert ein Temperament, kobolzt ein Schalk, atmet ein Befreiter, strafft sich ein Ringender vor dem man Achtung hat."

Fritz Zalisz - Dünenlandschaft mit Pferd Aquarell Sylt

Dünenlandschaft mit Pferd

Aquarell, 40 x 60 cm
(mit Rahmen: 60 x 80 cm)
Signiert  (Monogramm) “F.Z.”
Entstanden 1922/23 (Angaben des Künstlers)

Ausstellung: Kusthalle Dessau (April 1923)

"Nach der durch Kohlennot und andere Kalamitäten bedingten Pause endlich Wiederaufnahme des Ausstellungsbetriebes in der Kunsthalle. Nichts ist bezeichnender für die Wertung der bildenden Kunst in Dessau, als daß die Kunsthalle schließen und öffnen kann, wann und wie sie will, ohne daß man sich in der breiten Öffentlichkeit darum kümmert. Man bedauert wohl, wenn sie schließt, und man freut sich, wenn sie wieder öffnet, wie man eben bedauert und sich freut, so leicht hin, ohne innere Anteilnahme. Dieser Vorwurf der fast sträflichen Gleichgültigkeit gegenüber der bildenden Kunst richtet sich gegen alle Kreise der Bevölkerung, sie alle sehen in der bildenden Kunst etwas Nettes, etwas Schönes, wenn sie da ist, sind aber nicht innerlich betrübt, wenn sie fern von uns ist. Gewiß, ich weiß sehr wohl, daß es auch in Dessau Freunde, wirklich ehrliche Freunde der bildenden Kunst gibt, und zwar in allen Kreisen, aber was ist das unter so viele, was vermag dieses Häuflein Getreuer gegen den Heerbann der Gleichgültigen! - Trotzdem wage ich, meine helle Freude darüber zu äußern, die alle mit mir fühlen, die in der bildenden Kunst nicht nur etwas sehen, was an Sonntagnachmittagen angenehm die Zeit verkürzt: (Notabene: wenn freier Eintritt ist!), sondern die in der bildenden Kunst einen Kulturfaktor höchster Ordnung verehren, der der darstellenden Kunst des Theaters und Konzertes vollauf ebenbürtig ist. Diese Freude drängt sich um so leichter auf die Lippen, als die Ausstellung ehrliche Freude bereitet. Frühlingsluft durchweht die alten Räume der Kunsthalle, junger Kunst hat sie sich geöffnet. J. Fritz Zalisz - Leipzig ist das Haupt dieser Ausstellung. Im großen Oberlichtsaal bietet er Landschaften und Portraits. Seine Kunst ist vollendet in ihrer großen Geste, in der packenden Souveränität, mit der der Künstler als moderner Mensch sich mit den gegebenen Dingen auseinandersetzt. Die ganze Monumentalität unserer neuen Zeit liegt darin und wahrlich auch ihre ganze Kühnheit, ihre ganze Sachlichkeit und Strenge. Wie Zalisz mit ganz wenigen Strichen ein Ostseeküstenbild darstellt, nein: hier muß man sagen: - hinhaut, das ist schlechterdings nicht zu überbieten, weil aus der unerhörten Kühnheit der Linie nicht nur Keckheit, sondern Geist und Seele, inneres Erlebnis spricht.  - Der große Oberlichtsaal ist wie eine Halle der Symphonie der Tausend, die Kojen sind durch Zalisz zu Stätten weihevoller Andacht geworden..."

 

Fritz Zalisz: Dünen bei Kampen Aquarell Sylt

Dünen bei Kampen

Aquarell, 41 x 60 cm
(mit Rahmen: 60 x 79 cm)
Signiert  (Monogramm) “F.Z.”
Entstanden 1922/23 (Angaben des Künstlers)

Madrid: Handzeichnungen und Aquarelle (Oktober/November 1928)

"Leipziger Abendpost": "Von dem Leipziger Maler-Bildhauer J. Fritz Zalisz plant man in Madrid für die Monate Oktober bis November eine größere Ausstellung seiner neuesten Handzeichnungen und Aquarelle."
Zu vermerken sei an dieser Stelle, dass die Ausstellung für Zalisz ein außerordentlicher Erfolg war. Die Universität von Madrid bot ihm eine Professur an; Zalisz lehnte jedoch ab.

Fritz Zalisz: Dünenstudie #1 (Sylt)

Sylt: Dünenstudie #1

Tusche, 35 x 50 cm
Signiert  (Monogramm) “F.Z.”
Entstanden 1922/23 (Angaben des Künstlers)

Fritz Zalisz: Dünenstudie #2 (Sylt)

Sylt: Dünenstudie #2

Tusche, 35 x 50 cm
Signiert  (Monogramm) “F.Z.”
Entstanden 1922/23 (Angaben des Künstlers)

 

verkauft / sold

 

 

 

 

Fritz Zalisz: Dünenstudie #3 (Sylt)

Sylt: Dünenstudie #3

Tusche, 35 x 50 cm
Signiert  (Monogramm) “F.Z.”
Entstanden 1922/23 (Angaben des Künstlers)

Fritz Zalisz: Dünenstudie #4 (Sylt)

Sylt: Dünenstudie #4

Tusche, 35 x 50 cm
Signiert  (Monogramm) “F.Z.”
Entstanden 1922/23 (Angaben des Künstlers)

Fritz Zalisz auf Sylt (1922/23)

Die Insel Sylt hat seit jeher die bildenden Künstler angezogen. Im Vergleich zu der Ostseeküste wirkt die Landschaft hier noch extremer, herber. Speziell die Wirkungen des Lichts haben es den Künstlern angetan - es bietet sich immer wieder neue Inspiration. Fritz Zalisz reiste Mitte der 20er Jahre mehrmals auf die Insel und hatte sein Quartier bei einer Fischerfamilie in List. Schon auf der Schiffsreise von Hoyer nach Munkmarsch war er fasziniert von der Natur, die doch so anders ist als in seiner sächsischen Heimat. Immer wieder unternahm er Fußmärsche am Strand von List nach Kampen, wo er sein Lieblingsobjekt, das Rote Kliff, studierte. Die Stiftzeichnungen (in Blau) sind allesamt in der freien Natur entstanden und bilden die Vorlage für Zalisz' weitere Arbeiten: in Öl auf Leinwand, Aquarell, Tusche und als Radierungen. Aber gerade die Stiftzeichnungen strahlen die immense Kraft aus, die sich von der Natur auf des Künstlers Strich übertragen hatte. Mit wenigen Linien skizziert er sicher und stark die Landschaft, im Stil und Ausdruck dem Siegwart Sprotte der 1950er Jahre nicht unähnlich. Diese eigentlichen Skizzen zeigen seine authentischste Sichtweise der Dinge; die nächste Stufe bilden die Tuschzeichnungen: Weiter abstrahiert, ausschließlich in schwarz-weiß;, unter Einsatz von Schraffuren, gelingt es Zalisz, das Wesen der Natur auf den Punkt zu bringen. Auch die Radierungen fügen sich in diesen Kontext ein. Aber Fritz Zalisz ist noch nicht zufrieden. Er will die Farben einfangen, die sich auf so scheinbar unwirkliche Weise seinen Augen bieten. Er verwendet Aquarellfarben, um die Eindrücke schnell und unverfälscht zu verarbeiten. Erst später entstehen die Ölgemälde.
Zunächst der Weg von Kampen nach List (die heutige Landstraße): Sicher, aber harmlos im Vergleich zu dem, was noch kommt. Dann das Rote Kliff bei Sonnenuntergang - man beachte das Farbenspiel der verschiedenen Rot-Töne. Das Rot erreicht dann seinen Höhepunkt in dem Bild mit dem Kampener Leuchtturm, ebenfalls bei Sonnenuntergang. Die Farben Rot und Blau werden derart vehement und übersteigert zum Einsatz gebracht, in bester expressionistischer Tradition, dass der Betrachter zunächst sprachlos auf dieses Inferno schaut, welches sich erst bei intensiver Betrachtung nach und nach auflöst. Wir können die Empfindungen des Künstlers nachvollziehen und erkennen, dass nur auf diese Weise eine Annährung an das Sujet gelingt. Tiefblau dann der Teich, ein faszinierendes Bild, das uns erst beim wiederholten Hinschauen den Zugang ermöglicht, uns dann aber schwer loslässt. Diese Abendstimmung bietet einen ganz besonderen Reiz und spricht für sich. Immer mehr versucht Zalisz eine Polarisierung, auf wenige, kräftige Farben beschränkt. Er fährt insgesamt dreimal nach Sylt, hält seine Sichtweise der Natur immer extremer in seinen Bildern fest. Das rote Pferd gibt ein gutes Beispiel dieser Phase, den frühen Aquarellen Erich Heckels nicht unähnlich. Hier ist kein differenziertes Spiel mit dem Licht mehr zu sehen, hier ist lediglich das Pferd im Zentrum des Bildes rot wie die untergehende Sonne. "Die Landschaften formen sich aus der satten Farbe. Sie werden dadurch wieder aus der bürgerlichen Wirklichkeitstreue gehoben und werden zur großen Vision, der etwas edel Dekoratives anhaftet." (H. Neumayer, S. 40).  --- Vgl. Neumayer; Eigenes Archiv - Tagebuch des Künstlers